3. Kurzgeschichtenwettbewerb Sternenflotte e.V.:“Requiem“


3.Kurzgeschichtenwettbewerb Sternenflotte e.V.

Thema „Krieg und Frieden“

3. Platz: „Requiem“

Dunkelheit senkte sich über die Welt.

Wohin man sah war Zerstörung, als er vor der Ruine des Ratsgebäudes stand und von dessen Stufen auf seine Heimat herab sah.

Seine Frau hätte jetzt bei ihm sein sollen. Stattdessen sah er nur die Kinder seines Landes unter den Trümmern begraben liegen, während die Überlebenden versuchten sich neu zu formieren. Ein letzter, verzweifelter Gegenschlag war geplant, auch wenn es keine Hoffnung auf einen Sieg mehr gab.

Vorsichtig stieg er hinab, Stufe um Stufe, während er seinen Blick über die vom Tod durchzogene Umgebung schweifen ließ.

Mit Zweigen und Steinen hatten sie die Treppen zum Untergrund verdeckt, auch wenn die Scanner sie leicht aufspüren würden. Eine klägliche Tarnung, doch angesichts des nahenden Endes hatte es sowieso keine Bedeutung mehr. Keiner von ihnen hatte vor, morgen noch zu leben.

Es erwarteten ihn ausgezehrte Gesichter, zerstörte Leben und Träume schwebten über ihren Häuptern. Sie hatten alles verloren, außerdem hatten sie weder Wasser noch Nahrung. Die Vorratskammern wurden zerbombt, und sie konnten nichts anbauen. Die kläglichen Reste die sie retten konnten waren bereits aufgebraucht, und die Mägen machten in ihrer Lautstärke den Einschlägen der Schiffsphaser Konkurrenz.

Aber irgendwie lebten sie noch, und versuchten das beste aus ihren letzten Stunden zu machen. Ein paar der Jungs hatten noch ein Spiel aufgetrieben, es war ein altes Brettspiel, und zumindest ein wenig Ablenkung bis zum Point Zero.

Man versteckte das Leid, versuchte sich an einem Schein von Normalität, doch sie alle mussten sich dem Gedanken stellen, dass sie alles verloren hatten, was ihnen je etwas bedeutete.

Er sah seine Tochter noch vor seinem inneren Auge. Ihr Blick, als er sie in die Schutzräume brachte. Er hatte sie allein gelassen. Zurückgelassen, während er sich einredete, noch irgendetwas ändern zu können. Als er seine Tochter holen wollte, konnte er sie nicht einmal mehr sterben sehen, eingeschlossen unter mehreren Metern Schutt. Er würde ihr Gesicht nicht mehr wieder erkennen, sollte es zu einer Bergung kommen.

Dabei wäre heute ihr Geburtstag gewesen. Er hatte ihr einen hübschen Kopfschmuck besorgt, von dem sie letztens geschwärmt hatte. Sie meinte, so einen wolle sie auf ihrer Hochzeit tragen. Doch jetzt hatte sie ihn nicht einmal mehr gesehen.
Stattdessen war sie ihm böse gewesen, dass er sie allein in die Schutzräume sperrte, allein und ohne ihn.

Sie sagte sogar noch, sie wolle nicht ohne ihn sterben. Dabei war sie gerade mal 8 Jahre alt gewesen.

Aber jetzt war es zu spät, er hatte nur sich, und seine Schuld.

Hatte er es nicht schon immer gewusst? Die Fremden waren böse.

Wie konnte er auch nur einen Moment daran glauben, dass sie wirklich Frieden wollten? Sein gesamtes Volk. Alle waren tot, weil er die falsche Entscheidung traf, sich auf das Bündnis einließ.

Er sah sich selbst vor den Trümmern seines Planeten mit den wenigen Lebenden die ihnen geblieben sind. Die Trauer und der Schmerz ließen kaum noch Platz zum Atmen.

Sie nahmen ihre letzten Waffen, das, was ihnen blieb, und machten sich auf den Weg. Ein paar kleine Shuttles hatten sie noch. Ein Verzweiflungsschlag gegen die Raumschiffe.

Es gab keine Zukunft mehr, die Vergangenheit war ausgelöscht.

Jetzt blieb ihnen nur noch ein ehrenvoller Tod.

Sie hatten die Shuttles leicht außerhalb der Hauptstadt in den Überresten einiger Lagerhallen abgestellt. Auch das Schiff, dass sie angreifen wollten, war festgelegt, und ein Plan, um die Hüllen zu zerstören. Es waren 5 Shuttles, in die sie alle Antimaterie gelagert hatten, die sie noch finden konnten. Ein paar wenige Labore waren noch unversehrt genug gewesen, um nicht die restlichen Vorräte unerreichbar werden zu lassen.

Eine letzte innere Wärme umfing sie bei der Umarmung zum Abschied, bevor sie begannen sich ihrer Verzweiflung und ihren Rachegefühlen ganz zu überlassen.

Sie stürzten auf die Raumschiffe zu, sahen ihre graue Hülle immer näher kommen. Dann zündeten sie die Antimaterie.

Plötzlich war alles hell. Er blickte in eine schneeweiße Welt. Der Schmerz war plötzlich so fern. War das der Himmel?

Nein, es fiel ihm wieder ein. Das hier war die Realität, die Friedensverhandlungen begannen erst.

Er fühlte den Schweiß auf seiner Stirn, während langsam die Erinnerung an alles zurückkehrte. Er hatte eine Verabredung mit seiner Frau, auf den Stufen vor dem Ratsgebäude gehabt, als plötzlich alles schwarz wurde.

Aber dieser Traum hatte sich für ihn so realistisch angefühlt. Er fühlte immer noch den Steuerknüppel des Shuttles in der Hand, den Auslöser für die Explosion.

Doch jetzt musste er sich wieder auf die Realität konzentrieren. Er versuchte, den Traum beiseite zu schieben, als seine Tochter ihm etwas zu essen hereinbrachte.

„Geht es dir wieder gut, Papa?“ fragte sie, während sie ihn mit großen Augen ansah.

„Ja, alles wunderbar.“ antwortete er, nahm sich eine Kleinigkeit vom hereingebrachten Tablett und begann sich anzuziehen.

Heute beginnen die Verhandlungen um neue Bündnisse mit den Fremden und er musste eine Entscheidung treffen. Ihm war Eines völlig klar: Es ging um nicht weniger als ihre Zukunft.

Krieg, oder Frieden.

Heute sollten die Verhandlungen mit den Fremden beginnen und er musste eine Entscheidung treffen. Ihm war völlig klar: Falsche Entscheidungen konnten fatale Konsequenzen haben. Es ging um nicht weniger als ihre Zukunft.

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