Es grüßt das Fremde


Jeden Tag begegnet man ihm: dem Unbekannten.

Überall sind Dinge, denen man noch nicht Hallo sagte und Menschen die man noch nie sah.
Diese allgemeine Tatsache sorgt allgemein für Unbehagen und begründetes Misstrauen.

Als Kind schon schrieb ich mir häufig in die Ohren:

„Vertraue keinem Fremden!“ – Nicht, dass es helfen würde. Meist sind es die wohl Bekannten.

Doch daraus resultierte in mir eine natürliche Vorsicht, der ich auch heute noch gehorche und die wohl in jedem richtig geformten Werk unserer Gesellschaft steckt.

Da wir dies also wissen: Hallo Fremder, lass uns zusammentreffen.

Ein paar Klicks neben der Wahrnehmung der Eltern warten schon unbekannte neue Freunde auf das heiß ersehnte einhalten elterlicher Vorsicht.

Man meldet seine Intimsphäre zum herumspielen in Kontaktbörsen wie Yappi an und sucht nach ehrlichem Mitgefühl für jedermann bei einem freundlichen Mitchatter.

Jeder ist wichtig genug, dieses wichtige Stück Lebensgeschichte affirmativ kommentieren zu dürfen.

So stürzte ich einmal in einen Chatkessel voller Aufmerksamkeit hinein, der seither mein Leben mietet. Richtige soziale Beziehungen aufzubauen wäre auch viel zu anstrengend bei einer so großen Stadt wie Berlin. Man sollte immer direkt nach gleichen Interessen, Singlestatus und Geschlecht schauen. So erspart man sich etwaige Enttäuschungen und jeder hat eine effektive Übersicht über die Bereitschaft des anderen zu etwas mehr sozialem Kontakt to go.

Es kann natürlich auch einmal vorkommen, dass das ein oder andere nichtige Geheimnis ausversehen weiterkopiert wird, aber mitten inmitten der Nacktheit innerhalb des Strippens stört es wohl kaum, wenn man etwas Blöße offenbart.

Passiert schon mal.

Und wenn mir langweilig ist, suche ich mir ein Forum in dem zufällig gerade ein Forentreff in meiner Nähe stattfindet und gehe einfach mal hin.

Was ist schon dabei? Macht doch jeder so.

Aber weißt du, was mir letztens passierte?

Da war dieses total heiße Bild auf Studivz. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Natürlich versichterte ich es meiner besten Meinungen über seinen Zustand, worauf es sich sehr bedankte.

Ich bin mir sicher, es liebt mich auch.

Doch nun steht dort: „vergeben“

und ich weine um mein frisch zerbrochenes Herz.

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